Die Bundespräsidentenwahl – oder der Untergang des Abendlandes?
Auf Readers Edition veröffentlicht:
Ich denke nicht.
Wieder einmal zeigt sich, wie ein bedeutender Sachverhalt zum medialen Irrsinnstorpedo aufgebauscht wird. Zweifelsohne ist die Wahl des Bundespräsidenten eine der bedeutendsten Handlungen in dieser Republik. Allerdings drängt sich dem Zuschauer der Verdacht auf, dass die von ihm beauftragten Angestellten (Politiker) einmal mehr führungs- und konzeptionslos agieren. Da wird seitens der Oppositionsparteien ein Kandidat aufgestellt, der zu Zeiten der Wahl Johannes Raus zum Bundespräsidenten für die Sozialdemokraten nicht wählbar erschien. Zusammen mit den Regierungsparteien machen sie dem Wähler deutlich, dass hier keine Probleme gelöst werden sollen, sondern einmal mehr machtpolitische Interessen im Vordergrund stehen.
Der Unmut aus den eigenen Regierungsreihen wurde Frau Merkel & Co. letztendlich durch den ersten und zweiten Wahlgang mehr als deutlich gemacht. Es wäre wünschenswert, wenn die Kanzlerin die Botschaft aus den eigenen Reihen verstanden hat und endlich mehr regiert, statt moderiert. Sie sollte in diesem Zusammenhang potentielle Kritiker aus den eigenen Reihen nicht wegloben, sondern sich dem argumentativen Schlagabtausch stellen.
Gleichzeitig sollte man die Forderung nach einer Bundespräsidentenwahl durch das Volk nicht überbewerten, denn was wird das Volk mit einem mit nahezu einstimmig gewählten Präsidenten machen, wenn es feststellt, dass der reale Einfluss nur sekundär von Bedeutung ist? In den nächsten Wochen werden sich die Nicht-Sympathisanten aus dem Volk an Herrn Wulff gewöhnt haben und verstärkt danach fragen, wie es mit der Sicherheit um den eigenen Arbeitsplatz, der Rente und die Sicherheit des Euros bestellt ist. Es bleibt zu hoffen, dass sich Regierung, Opposition und Medien diesen Fragen mit der gleichen Inbrunst widmen, wie sie es zuvor mit der Beschädigung zweier ausgezeichneter Kandidaten um das Amt des Bundespräsidenten und der Beschädigung der letzten Glaubwürdigkeit bei den Wählern getan haben.


2010 Freunde